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Sexuelle Gewalt? Lass Spuren sichern.

Frauenbeine in der Dunkelheit

© Frauen helfen Frauen e.V.

Plakataktion zur vertraulichen Spurensicherung nach einer Vergewaltigung.

Spuren sichern - Zeit gewinnen!

Mit einer Plakataktion in Ulm und im Alb-Donau-Kreis soll das Angebot der vertraulichen Spurensicherung in der Öffentlichkeit bekannt gemacht werden.
Eine umfassende medizinische Erstversorgung nach einer Vergewaltigung bietet die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Universitätsklinikums Ulm, Prittwitzstraße 43, an. Diese Akutversorgung für Opfer von sexualisierter Gewalt ist kostenlos, vertraulich, rund um die Uhr möglich und sichert Beweise der Tat nach rechtsmedizinischen Standards. Es besteht eine enge Kooperation mit der Frauenberatungsstelle Ulm, um den betroffenen Frauen psychosoziale Beratung und Begleitung anzubieten.

Sexualisierte Gewalt gegen Frauen ist auch in Deutschland weit verbreitet. Die Opfer haben ein Recht auf Schutz, rechtsmedizinische, medizinische und psychosoziale Versorgung und auf Strafverfolgung. Viele Strafverfahren im Bereich sexualisierter Gewalt werden aber aus Mangel an Beweisen eingestellt. Um dem entgegenzuwirken ist es wichtig, die Spuren einer Vergewaltigung zeitnah sicherzustellen und gerichtsfest zu dokumentieren. Der Zeitfaktor spielt hierbei eine wichtige Rolle - manche Spuren sind bereits wenige Stunden nach der Tat nicht mehr nachweisbar.
Daher ist es immens wichtig, das Angebot der vertraulichen Spurensicherung in der Bevölkerung bekannt zu machen. Der Verein Frauen helfen Frauen Ulm e.V., das Frauenbüro der Stadt Ulm, die Gleichstellungsbeauftragte des Alb-Donau-Kreis, sowie das Universitätsfrauenklinikum Ulm möchten mit einer gemeinsamen Plakataktion auf das Angebot an der Universitätsfrauenklinik Ulm aufmerksam machen und in die Öffentlichkeit tragen. Hierzu werden im Stadtgebiet Ulm und im Alb-Donau-Kreis Plakate in öffentlichen Einrichtungen und in Bussen gehängt. Auch an öffentliche und soziale Einrichtungen werden Flyer und Plakate verschickt.

Hintergrund:
Viele Frauen stehen unmittelbar nach einer Vergewaltigung oder sexuellen Nötigung unter
Schock. Sie fühlen sich nicht in der Lage, die Tat anzuzeigen, u.a. aus Angst, dass ihnen nicht geglaubt wird, aus Angst vor möglichen Gerichtskosten, aus Informationsmangel darüber, was die Anzeige nach sich zieht.
Die vertrauliche und anzeigenunabhängige Spurensicherung ermöglicht Betroffenen eine kostenlose, rechtssichere ärztliche Dokumentation ihrer Verletzungen OHNE die Notwendigkeit einer sofortigen Anzeigenerstattung. Die Betroffenen haben so die Möglichkeit, sich an der Fachberatungsstelle vertraulich zu informieren und in Ruhe zu überlegen, ob sie Anzeige erstatten möchten.
Seit 2015 ist es in Ulm möglich, Spuren einer Sexualstraftat vertraulich sichern zu lassen.
In Kooperation mit der örtlichen Frauenberatungsstelle des Vereins Frauen helfen Frauen erarbeitete die Universitätsfrauenklinik unter der Leitung von Prof. Dr. Janni ein Konzept, das Betroffenen eine kostenfreie und vertrauliche medizinische Untersuchung und Spurensicherung ermöglicht. DieKriminalpolizei stellt der Klinik die dafür notwendigen Untersuchungssets zur Verfügung. Die gesicherten Spuren werden am Rechtsmedizinischen Institut bis zu einem Jahr aufbewahrt. Nach der Untersuchung können sich betroffene Frauen an der Frauenberatungsstelle über den Ablauf eines Anzeigeverfahrens informieren, erhalten auf Wunsch Begleitung zur Opferanwältin/zum Opferanwalt, zur Polizei und auch beim Gerichtsprozess. Sie erhalten psychosoziale Unterstützung unabhängig von ihrer Entscheidung bzgl. einer Anzeige.

Häufigkeit
Laut einer EU Studie des FRA 2014 (European Union Agency for Fundamental Rights) erlebt jede siebte
europäische Frau im Laufe ihres Lebens strafrechtlich relevante sexualisierte Gewalt. – also
Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung. Jede zweite Frau ist in ihrem Berufsleben sexueller
Belästigung am Arbeitsplatz ausgesetzt, und jede zweite bis dritte Frau mit Behinderung ist im Laufe
ihres Lebens von sexualisierter Gewalt betroffen.
Anzeigen und Verurteilungsquote
Unterschiedliche Studien kommen zu dem Ergebnis, dass sich der Anteil der Frauen, die eine erlebte
Vergewaltigung NICHT anzeigen, zwischen 85% und 95% bewegt. Das heißt, nur 5% bis 15% werden
angezeigt.

Die Verurteilungsquote für angezeigte Vergewaltigungen sinkt seit Jahren. 2012 erfolgte in nur 8,4%
der Anzeigen eine Verurteilung des Angeklagten (Angaben des Bundesamtes für Justiz, siehe auch:
Presseerklärung kfN / Christian Pfeiffer, 17.04.2014).
Für Ulm weist die Kriminalstatistik 2020 des Polizeipräsidiums Ulm 918 Delikte gegen die sexuelle
Selbstbestimmung aus – 30 % mehr als im Vorjahr. Dabei erhöhte sich die Zahl der angezeigten
Vergewaltigungen auf 69 (57 in 2019).
Zahlen des Bundesministeriums des Innern 2019 für das Bundesgebiet: 9426 Fälle im Tatbereich
Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und sexueller Übergriffe in besonders schwerem Fall einschließlich
Todesfolge.