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Weltgipfel für Menschen mit Behinderung

Mehr als 3.000 Menschen aus rund 100 Ländern, viele von ihnen mit Behinderung, treffen sich in Berlin zum dritten Weltgipfel für Menschen mit Behinderung. Ziel ist es, Barrierefreiheit und Inklusion weltweit voranzubringen. Gemeinsame Ko-Gastgeber des Gipfels sind Deutschland, vertreten durch das Bundesentwicklungsministerium (BMZ), das Haschemitische Königreich Jordanien sowie der Welt-Dachverband der Selbstvertretungsorganisationen von Menschen mit Behinderungen. Die teilnehmenden Regierungen und Organisationen stellen gut funktionierende Projekte aus ihren Ländern vor, damit alle voneinander lernen können. Zugleich machen sie Zusagen für künftige Vorhaben, die das Leben von Menschen mit Behinderung vereinfachen sollen. Auch die Bundesregierung bringt sich mit insgesamt mehr als 30 Zusagen ein, die vor allem Deutschland, aber auch die internationale Zusammenarbeit betreffen.

Deutschland bringt solche Selbstverpflichtungen ein: So setzt sich das Bundesfamilienministerium dafür ein, gemeinsam mit Verbänden die Prävention und den Schutz vor Gewalt auch in der häuslichen Pflege zu verbessern. Das Bundesverkehrsministerium fördert die Entwicklung einer App, um den öffentlichen Nahverkehr für Menschen mit Behinderung zu erleichtern. Jeder und jede kann dort selbst Daten zur Barrierefreiheit in Bahnen und Bussen, an Bahnhöfen und Haltestellen melden und so zu einem Informationssystem für barrierefreies Reisen beitragen.
Auch das Entwicklungsministerium legt heute konkrete Beiträge vor, die den Stellenwert von Inklusion in der internationalen Zusammenarbeit erhöhen sollen. Mit einer sogenannten Schuldenumwandlung ermöglicht die Bundesregierung der jordanischen Regierung, fünf Millionen Euro Schulden nicht an Deutschland zurückzuzahlen, sondern diese gezielt in inklusive Bildung von Kindern mit Behinderungen zu investieren.

Außerdem unterstützt das BMZ den Aufbau eines inklusiven „City Hubs“ – das ist ein Zusammenschluss von Stadtplanern, Sozialverbänden, Entwicklungsbanken und anderen, der Städte für Menschen mit Behinderungen barrierefreier machen soll. Bis Ende 2026 sollen Pilotprojekte in sechs ausgewählten Städten weltweit umgesetzt werden. Auf den Philippinen zum Beispiel geht es um Frühwarnsysteme im Katastrophenfall. Gearbeitet wird dort daran, wie die Warnungen bei allen Menschen ankommen und wie gut Evakuierungen vorbereitet werden – auch für Menschen, die Sirenensignale nicht hören, Warnschilder nicht sehen oder auf den Rollstuhl angewiesen sind.
Zum Ende des Gipfels soll die sogenannte Amman-Berlin-Erklärung verabschiedet werden. Damit verpflichten sich die Staaten und Organisationen dazu, dass mindestens 15 Prozent ihrer entwicklungspolitischen Projekte die Inklusion der weltweit mehr als 15 Prozent Menschen mit Behinderungen fördern sollen.

Zudem wird morgen der vom Entwicklungsministerium in Auftrag gegebene „Global Disability Inclusion Report“ vorgestellt. Die von UNICEF koordinierte Studie hat zum Ziel, die Datenlage zur Situation von Menschen mit Behinderung zu verbessern – eine Forderung, die Verbände und Interessensvertretungen immer wieder stellen.
Der Studie zufolge haben Menschen mit Behinderung eine im weltweiten Durchschnitt um 14 Jahre geringere Lebenserwartung als Menschen ohne Behinderung. In den ärmsten Ländern beträgt die Lücke 23 Jahre, in den reichsten Ländern zehn Jahre.
Auch beim Zugang zu Therapien und Hilfsmitteln bestehen erhebliche Unterschiede: Während in den reichsten Ländern 88 Prozent der Menschen mit Behinderung Hilfsmittel wie etwa Prothesen, Rollstühle oder Hörgeräte nutzen können, sind es in den ärmsten Ländern nur elf Prozent. Und während in den reichsten Ländern auf eine Million Einwohner mehr als 900 Physiotherapeuten kommen, sind es in ärmeren Ländern weniger als 30. Ebenso stehen in Ländern wie den USA und Australien mehr als 300 Sprachtherapeutinnen und Logopäden pro einer Million Einwohner zur Verfügung, in manchen Ländern Afrikas keine einzige.